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Datum: 10.08.2017

Bonner Expertise auf der ENFRUTE in Brasilien Die internationale Obstbautagung ENFRUTE findet alle 2 Jahre im Apfelzentrum ‘Parque de Maca‘ in Fraiburgo statt. Dieses Jahr waren Hagelnetze, Fruchtausfärbung und Klimawandel die Schwerpunktthemen der Tagung.

Dr. Michael Blanke vom INRES Gartenbauwissenschaft war zum wiederholten Mal invited speaker – diesmal mit einem Beitrag zur Verbesserung der Fruchtfarbe im Apfelanbau und schlug in seinem Plenarvortrag Forschungsstrategien für die Klimabedingungen im Süden Brasiliens vor.

Der Apfelanbau in Brasilien mit 33.393 ha (2016) und pro Jahr ca. 1 Mio. Tonnen Äpfel (Gala und Fuji), von denen ca. 10-15% (im Wert von 36,4 Mio. US $) nach Europa und Asien exportiert werden, ist etwa in der gleichen Größenordnung wie in Deutschland. Da Brasilien allerdings 208 Mio. Einwohner hat, liegt der Apfelkonsum pro Kopf bei nur 4,2 kg/Jahr.

Der Klimawandel führt im Apfelanbaugebiet im Süden Brasiliens (26-31 °S) vermehrt zu Starkregen, Hagelschäden, Sonnenbrand, unzureichender Blüteninduktion und Fruchtausfärbung und unzureichendem Kältereiz im Winter (Chilling) bei den beiden Hauptsorten ‘Gala‘ und ‘Fuji‘.

Lösungsansätze beinhalten den Ersatz für die vorhandenen schwach färbenden ‘Royal Gala‘ und ‘Gala Mondial‘ Bäume durch rote Mutanten wie ‘Brookfield', 'Maxi Gala‘ und ‘Fuji Suprema‘ sowie durch die lokalen Apfelsorten ‘Daiane‘ und ‘Monalisa‘, die an das Klima mit geringem Kältereiz im Winter (Chilling unter 600 CH) und die Konsumentensprüche (rote, süße kleinere Früchte wie Gala mit einem Fruchtgewicht um 140 g) angepasst sind. Desweiteren spielt neben der Standort- und Hagelnetzwahl eine Strategie zur Vermeidung von Beschattung eine Rolle, um eine gute Rotfärbung der Früchte zu erreichen. Unter anderem sollen Mittel kurz vor der Ernte vermieden werden, die die Rotfärbung vermindern können (z.B. Retain u.a.), weitere Ansätze ergeben sich aus Versuchen mit Biostimulanzien und Lichtreflektoren, die sich bereits in Klein-Altendorf bewährt haben. Für schwach gefärbte Äpfel erhält der Anbauer ca. 20 Cent/kg, für Premiumfrüchte mit guter Farbe ein Vielfaches, so dass sich die Bemühungen lohnen.
 

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